[Kurzgeschichte] Weihnachten mal anders ~ Teil 1

Hallöchen und frohe Weihnachten!

Wie versprochen könnt ihr auf meinem Blog heute den ersten Teil der weihnachtlichen Kurzgeschichte aus meiner Feder lesen. Ich wünsche euch viel Vergnügen dabei!


 24. Dezember 2017

»Bitte sehr und schöne Feiertage wünsche ich Ihnen«, sage ich dem Kunden mit einem mittlerweile eher erzwungenen Lächeln und überreiche ihm das feinsäuberlich verpackte Geschenk mit der großen roten Schleife.

Er verabschiedet sich, dreht sich um und verlässt den Laden. Nicht einmal ein simples Danke bekomme ich zu hören, dabei ist Weihnachten doch bekanntlich ein Fest des Gebens und Nehmens. Pff. So viel dazu.

Wie viele Menschen noch an Heiligabend nach dem passenden Geschenk für ihre Lieben suchen, habe ich nicht geglaubt, bevor ich angefangen habe, hier zu arbeiten. Die Zahlen sind erschreckend, aber hey, gut für uns, denn die meisten sind einfach nicht so kreativ, um sich auf die Schnelle noch etwas Besseres auszudenken, also verschenken sie Bücher.
Bücher, die sie an Heiligabend am frühen Abend nur noch in einer einzigen Buchhandlung bekommen und das ist diese hier.

Wie viele Bücher ich heute schon in weihnachtliches, grünes Geschenkpapier eingewickelt und mit einer roten Schleife versehen habe, weiß ich gar nicht mehr, aber es sind definitiv eine ganze Menge gewesen. Und es werden auch noch einige kommen, bis wir in zwei Stunden den Laden dichtmachen.

»Mach dir nichts draus, Melli«, versucht Tina mich aufzubauen. Meine Arbeitskollegin lehnt lässig an dem Stehtisch mit dem Info-PC, der auf der Rückseite unserer Kasseninsel mitten im Laden angebracht ist, und streicht sich eine verirrte Strähne ihres langen blondierten Haares aus dem Gesicht. Im Gegensatz zu mir hat die Frau Mitte dreißig schon so manches Weihnachten hier im Laden zugebracht, aber sie wird heute Abend noch zu ihrer Familie fahren und ein besinnliches Weihnachtsfest feiern.

Währenddessen werde ich in meine leere Wohnung zurückkehren und alleine feiern, weil alle meine Mitbewohner über die Feiertage zu ihren Familien gefahren sind. Da wäre ich jetzt auch gern, aber leider bin ich hier und arbeite, damit ich nicht bald auf der Straße sitze, weil ich die Miete nicht mehr zahlen kann.

»Ein Danke wäre nicht zu viel verlangt gewesen«, murre ich und lehne mich neben sie an den Tisch. Der Laden ist mittlerweile fast leer, weil die letzten jetzt auch langsam den Heimweg antreten, um den Heiligen Abend mit ihren Familien zu verbringen.

»Menschen sind an Weihnachten immer echt gestresst«, erwidert sie daraufhin und lächelt mich verständnisvoll an. »Wie gesagt, mach dir nichts draus. Irgendwann gewöhnt man sich daran.«

Ich will mich aber nicht daran gewöhnen, will ich erwidern, lasse es dann aber doch. Tina mag mit ihrem Job sehr glücklich sein, aber ich möchte nicht mein Leben lang an den hohen Feiertagen Geschenke einpacken und dafür nicht einmal ein Danke bekommen.

»Vielleicht hast du recht.«

»Natürlich habe ich das und jetzt vertreiben wir uns noch die letzten zwei Stunden und dann ab nach Hause. Hört sich doch gut an, oder?«

Ich nicke daraufhin, aber wer kann schon ahnen, dass sich die letzten beiden Stunden so sehr ziehen werden wie Kaugummi. Tatsächlich kommt es mir so vor, als wäre ich den ganzen Tag auf den Beinen gewesen, als ich schlussendlich die Tür zu meiner Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses öffne. Eigentlich will ich nur noch auf mein Sofa, die Weihnachtsplätzchen naschen, die Tasha für mich dagelassen hat, bevor sie zu ihren Eltern gefahren ist, und vergessen, dass ich Glückliche Morgen wieder arbeiten muss.

Aber schon als ich hereinkomme, bemerke ich, dass etwas nicht stimmt. Das Licht im Flur ist an, dabei sind Tasha und Mitch schon aufgebrochen, bevor ich zur Arbeit gegangen bin, und Leon hat auch gesagt, dass er gegen Nachmittag aufbricht. Also hat er entweder vergessen, das Licht auszuschalten, was nicht so tragisch ist, oder …
Ein Poltern in der Küche reißt mich aus meinen Befürchtungen und bestätigt sie damit auch direkt. »Derek!«, rufe ich und hoffe immer noch, dass ich mich irre, aber kurz darauf schallt ein »Ja?« zurück und ich verfluche mich dafür, dass ich nicht mit ihm gerechnet habe.

»Wieso bist du hier?«, will ich wissen und folge den Geräuschen bis zur Quelle des Polterns, wo unser neuer Mitbewohner auf mich wartet.

»Wo sollte ich denn sonst sein? Ich wohne hier, falls dir das noch nicht klar gewesen ist!«
Mein Tag hat soeben einen neuen Tiefpunkt erreicht, denn klar, natürlich weiß ich, dass Derek hier wohnt, seitdem wir vor drei Monaten einstimmig beschlossen haben, ihm das freie Zimmer unserer WG zu geben. Damals habe ich noch nicht gewusst, dass die Chemie zwischen uns so absolut überhaupt nicht stimmt und ich mich nur noch mit ihm in den Haaren haben würde.

Blöderweise hat er sich schnell mit Mitch angefreundet und Tasha findet Derek immer noch zum Anbeißen. So ungern ich es auch zugebe, aber in dieser Sache hat sie recht. Mit seinem dunkelbrauen, etwas wuscheligen Haar, dass ihm locker in die Stirn fällt und dem muskulösen, aber nicht zu trainierten Körper kann er sich wirklich sehen lassen. Auch wenn er sich wirklich angewöhnen muss, abzuschließen, wenn er unter der Dusche steht. Das ist nämlich der Grund, aus dem ich genau weiß, wie sein Körper aussieht, und nun ja, ich hätte auf dieses Bild verzichten können.

»Ich dachte, du fährst zu deinen Eltern«, gebe ich murrend zu, denn ich habe es wirklich geglaubt und er ist der einzige, bei dem ich nicht traurig drum gewesen wäre.

Derek zuckt mit den Schultern. »Keine Ahnung, wieso du das dachtest, aber ich bin hier und gehe nirgendwo hin. Zumindest nicht in den nächsten Tagen.«

Gerade gäbe ich alles dafür, ein gemütliches Weihnachtsfest alleine auf dem Sofa zu verbringen, als mit diesem … diesem … Derek halt.

»Lass mich raten. Du willst den Abend auch noch hier zu Hause verbringen?«

»Hast du etwa ein Problem damit, Mel?«, neckt er mich und setzt dieses überhebliche Grinsen auf die Lippen, was ich über alles an ihm hasse.

»Ja! Ich wollte aufs Sofa, Weihnachtsfilme gucken und Plätzchen essen … Was hast du da in der Hand?« Wieso fällt mir der voll beladene Teller mit den Weihnachtsplätzchen erst jetzt auf? Das sind doch eindeutig meine … also die Plätzchen, die Tasha für mich dagelassen hat.

Und nicht für ihn.

»Total leckere Kekse. Ich würde ja mit dir teilen, aber ich fürchte, du schmeißt sie eher mir an den Kopf, als dass du sie isst.«

Und das schlimme ist, dass er damit sogar recht haben könnte. Ob es aber stimmt, müsste man auf den Versuch ankommen lassen.

Hasse ich Derek mehr, als dass ich diese Plätzchen liebe?

Gute Frage eigentlich …

***

Schlussendlich ergattere ich ein kleines Tellerchen mit den letzten Überbleibseln der Weihnachtsplätzchen und lasse mir nicht anmerken, dass ich eigentlich vorgehabt habe, Plätzchen zu futtern bis mir schlechtwird.

Tja, so wird das wohl nichts, aber es ist jetzt nicht zu ändern. Dafür platziere ich meinen Hintern kurz darauf auf dem freien unserer beiden Sofas und angle nach der Fernbedienung.

Auf dem anderen Sofa liegt Derek, spielt desinteressiert auf seinem Smartphone herum, während im Hintergrund irgendein Action-Film läuft, den ich nicht kenne und den ich auch nicht kennen möchte.

Da er dem Film ohnehin keine Aufmerksamkeit schenkt, wechsle ich kurzerhand den Sender. Kaum den Bruchteil einer Sekunde später sitzt Derek kerzengrade auf dem Sofa. »Hey, ich wollte das sehen!«, beschwert er sich.

Gut, dass ich ihn nicht leiden kann und mir das daher egal ist.

»Sah für mich nicht so aus. Außerdem hast du schon meine Kekse gegessen, jetzt will ich zumindest meinen Weihnachtsfilmmarathon durchziehen. Und nein, du hast kein Veto-Recht. Wenn’s dir nicht passt, kannst du ja woanders hingehen«, entgegne ich und zappe noch ein paar Sender weiter, bis ich den gefunden habe, den ich suche.

Eine weihnachtliche Vorspann-Musik ertönt, weil ich gerade noch rechtzeitig zum Beginn eingeschaltet habe, und Derek stöhnt genervt. »Sollen wir das jetzt den ganzen Abend schauen?«, fragt er mit gerümpfter Nase in Richtung Fernseher

»Es ist Weihnachten. Da schaut man Weihnachtsfilme. Punkt.«

»Genau genommen ist erst morgen Weihnachten. Heute ist Heiligabend und da kann man auch Actionfilme schauen«, setzt er mir entgegen.

»Morgen kann ich aber keine Weihnachtsfilme schauen, weil die meisten Filme von heute Abend morgen Früh wiederholt werden und ich da arbeiten muss. Also verschwinde jetzt entweder, geh auf irgendeine Party oder zu Freunden oder was auch immer, oder du schaust mit mir … „Annabelle und die fliegenden Rentiere“!«

Ich gebe zu, ich habe keine Ahnung, ob der Film gerade läuft, aber irgendwann heute Abend wird der Weihnachtsklassiker schon noch laufen. Hoffe ich auf jeden Fall. Er ist schließlich mein unangefochtener Lieblingsweihnachtsfilm.

Derek erwidert darauf nichts. Allerdings höre ich einige Flüche über seine Lippen kommen, als er sich vom Sofa erhebt und murrend den Raum verlässt. Einige Augenblicke später wird eine Tür zugeschlagen.

So! Ziel erreicht!

Zufrieden lehne ich mich zurück und lasse mich von der Besinnlichkeit berieseln, die dieser Film ausstrahlt. Wäre ich jetzt zu Hause bei meinen Eltern würden wir sicherlich auch alle zusammen an einem großen Tisch sitzen und zusammen einen ganzen Gänsebraten verdrücken. Danach würden die Jüngsten der Familie ein Weihnachtsgedicht aufsagen, was sie in der Schule haben auswendig lernen müssen, gefolgt von der Bescherung.

Ich gehöre zwar schon lange nicht mehr zu den Kindern der Familie, aber ich kann nicht leugnen, wie sehr ich es jedes Jahr liebe, mit meinen jüngeren Cousins und Cousinen Gedichte für Heiligabend auswendig zu lernen. So etwas hat einfach Tradition, aber nun, da ich mein Studium begonnen und den Aushilfsjob in der Buchhandlung angenommen habe, wird wohl nichts mehr so sein wie vorher.

Das erste Weihnachten, dass ich fast fünfhundert Kilometer von zu Hause entfernt verbringe. Unwillkürlich seufze ich. Wie viele da wohl noch folgen werden?

Auf einmal haben die süßen Plätzchen, die ich alleine im Wohnzimmer in meinen Mund schiebe, einen bitteren Nachgeschmack. Ich sollte nicht hier sein, sollte bei meiner Familie sein, mit meiner Cousine Emily »Annabelle und die fliegenden Rentiere« schauen, so wie jedes Jahr.

Zweimal spiele ich mit dem Gedanken, mich für morgen krankzumelden und stattdessen mit dem Auto direkt Richtung Heimat zu fahren, aber diesen Einfall verwerfe ich gleich wieder. Das kann ich Tina nicht antun. Alleine morgen im Laden ist die Arme aufgeschmissen.

Also bleibe ich einfach auf dem Sofa sitzen, mampfe den kläglichen Rest der Plätzchen und schaue den Film, auch wenn er nichts mit Rentieren zu tun hat.

Nach dem zweiten Film macht sich in mir das unerträgliche Gefühl breit, dass man Weihnachten nicht allein verbringen sollte und ich rufe meine Eltern an. Das heißt, ich versuche es, aber niemand geht ran. Ich vermute, dass alle Handys auf lautlos gestellt sind, um die besinnliche Stimmung nicht durch einen Anruf zunichte zu machen.

Seufzend gebe ich es auf und lehne mich auf dem Sofa zurück, während Film Nummer drei anläuft. Inzwischen ist es fast zehn Uhr und ich schaffe es kaum noch, wach zu bleiben. Nicht, weil ich müde bin, sondern schlicht und ergreifend, weil ich allein bin, Filme sehe, die ich schon kenne, und mir so langweilig ist, dass ich eigentlich hier auf der Stelle einschlafen könnte.

Ich muss wohl sogar einen Moment weggedöst sein, denn als ich wieder aufwache, tue ich dies, weil mich jemand an den Schultern rüttelt.

Murrend richte ich mich auf und fasse mir an den Kopf. Oh Mann, wie ich es hasse, einfach auf dem Sofa einzuschlafen. Danach fühlt sich mein Hirn immer so matschig an und ich brauche Stunden, bis ich wieder vollständig auf dem Damm bin.

»… okay?«

»Hm?« Ich habe Derek nicht zugehört, also habe ich keinen blassen Schimmer, was er genau von mir will. Genervt stöhnt er.

»Wenn du eh schläfst und nicht schaust, kann ich auch wieder umschalten, oder?«

»Also willst du Weihnachten mit Action-Filmen auf dem Sofa verbringen?« Ich hebe eine Braue und verschränke die Arme. Er zuckt daraufhin nur die Schultern und lässt sich auf das andere Sofa fallen.

»Auch nicht viel anders als Weihnachtsfilme zu gucken und viel besser, als im Zimmer zu hocken, damit die eigene Mitbewohnerin einen nicht meuchelt.«

»Du hättest ja auch ausgehen können«, werfe ich in den Raum. Er wird doch ganz sicher Freunde haben, die heute auch noch in der Stadt sind und die Nacht zum Tag machen.

»Ich wohne seit zwei Monaten hier, in denen ich genug damit zu tun hatte, das Semester aufzuholen. Ich habe schließlich einen ganzen Monat verpasst. Die wenigen Freunde, die ich in der Zeit gefunden habe, sind zu ihren Familien gefahren«, erwidert er daraufhin. Leider kommt mir das irgendwie bekannt vor. Gut, ich bin nicht mit einem Monat Verzögerung ins Studium gestartet – ich wusste nicht mal, dass das geht! – aber auch ich habe in den paar Monaten nicht viele Freunde gewonnen. Und tja, die sind alle über die Feiertage in die Heimat gefahren.

»Und wieso bist du nicht zu Hause?«, frage ich dann vorsichtig. Ich muss arbeiten, aber soweit ich weiß, hat er keinen Job, also keinen Grund, nicht dort zu sein.

Derek seufzt daraufhin und fährt sich mit einer Hand durch sein Haar. »Ich denke nicht, dass der Heilige Abend ein guter Zeitpunkt ist, um darüber zu sprechen«, murmelt er dann und es scheint ihn tatsächlich Überwindung zu kosten, das zuzugeben.

»Wieso nicht?«

»Willst du das wirklich wissen oder suchst du nur Stoff, um mich in Zukunft fertigzumachen?«

»Den muss ich nicht suchen. Davon habe ich auch so genug«, erwidere ich und lehne mich auf dem Sofa zurück. »Also raus damit? Was ist deine Ausrede, um nicht bei deiner Familie zu sein?«

Einen Moment lang ist es still zwischen uns und irgendwie ist diese Ruhe nicht unangenehm. Derek kämpft mit sich und beginnt schließlich zu sprechen. »Mein Vater ist abgehauen, da war ich noch ein Kleinkind. Eigentlich haben Mom, Grandma und ich immer zusammen Weihnachten gefeiert, aber dieses Jahr, kurz bevor ich hierherziehen wollte, hatte meine Grandma einen Herzinfarkt. Sie hat es nicht überlebt.«

Ich wage kaum zu atmen, während ich ihm zuhöre. Er hat sich die ganze Zeit über nie auch nur für eine Millisekunde lang anmerken lassen, wie schlecht es ihm eigentlich geht, aber in diesem Moment sehe ich den Schmerz in seinem Blick.

»Oh«, wispere ich. »Das tut mir leid für euch.«

»Ja, mir auch. Kurz nach der Beerdigung bin ich dann doch hierhergekommen. Ich musste einfach raus, konnte es nicht mehr ertragen, meine Mutter so leiden zu sehen. Und ich kann es auch jetzt noch nicht. Deshalb bevorzuge ich es, die Feiertage hier zu verbringen«, erzählt er und auch wenn ich es ein stückweit nachvollziehen kann …
»Du hättest fahren sollen«, lasse ich ihn wissen. »Deine Mutter hätte dich über die Feiertage bestimmt gerne zu Hause gehabt.«

Ich weiß noch, wie meine Mutter am Telefon sogar ein wenig geweint hat, als ich ihr gesagt habe, dass ich nicht nach Hause komme. Und er lässt seine trauernde Mutter einfach so allein.

»Das weiß ich, aber ich … ich kann es einfach nicht. Und jetzt ist es ohnehin zu spät.« Seine Worte klingen nicht mehr ganz so überzeugt von seiner Entscheidung, eher so, als würde er sie bereuen.

Ohne wirklich darüber nachzudenken, stehe ich auf, laufe zu unserem Telefon und gebe es ihm. Vollkommen verdattert nimmt er es an. »Ruf sie an. Jetzt«, bitte ich ihn. »Tu zumindest das.« Dass ich es vergeblich bei mir zu Hause versucht habe und niemand rangegangen ist, verschweige ich ihm. »Ich werde auch nicht mithören.«

Ich warte nicht auf seine Antwort, sondern drehe mich um und verlasse das Zimmer. Die Treppe gehe ich nach oben und nachdem ich durch den Flur gelaufen bin, erreiche ich mein Schlafzimmer.

Es ist nichts Besonderes. Weiße Wände, ein Bett, Schrank, Schreibtisch und ein Bücherregal. Die Möbel sind ebenfalls alle weiß und entstammen einem Großeinkauf bei IKEA. In der Ecke hinter der Tür habe ich einen kleinen, aber feinen Geschenkestapel aufgebaut. Dort liegen noch die Präsente für Tasha und Mitch, die ich ihnen überreichen werde, wenn sie wieder da sind. Außerdem habe ich auch ein Geschenk für Derek gekauft. Ich kann ihn zwar nicht leiden, aber Weihnachten ist die Zeit, um all seine Differenzen zu begraben.

Ich nehme es und warte noch einen Moment, bis ich zurück ins Wohnzimmer gehe. Als ich dort ankomme, höre ich gerade noch, wie Derek sich verabschiedet und das Telefon zurück auf die Ladestation stellt.

»Alles okay?« frage ich vorsichtig.

»Sie hat sich über meinen Anruf gefreut. Es war der erste seit zwei Monaten. Ich schätze, ich fahre nächste Woche nach Hause.« Auch wenn er es sich nicht anmerken lassen will, kann ich die Freude in seiner Stimme hören und lächle ebenfalls.

»Das ist schön. Ich fahre auch über Silvester heim, aber erstmal sollten wir Weihnachten feiern.« Das Geschenk, das ich zuvor hinter meinem Rücken versteckt habe, hole ich hervor. »Das ist für dich.«

Verdattert schaut er mich an, dann das Geschenk, dann wieder mich. »Ich dachte, du kannst mich nicht leiden.«

»Kann ich auch nicht.«

»Und trotzdem kaufst du mir etwas?«

Ich lächle. »Es ist schließlich Weihnachten und nur eine Kleinigkeit. Nimm es einfach.«

Endlich nimmt er es mir ab und betrachtet die Verpackung erst einmal skeptisch. »Sieht richtig professionell aus«, bemerkt er.

Daraufhin kann ich mir ein Kichern nicht verkneifen. »Ich arbeite in einer Buchhandlung. Die letzten zwei Monate Weihnachtsgeschäft haben mich zur Geschenke-Einpack-Queen gemacht. Los, mach es schon auf.«

Und das tut er. Ganz vorsichtig, als wolle er die rote Schleife, die ich in dreißig Sekunden geschnürt habe, auf keinen Fall zerstören, und während sich immer mehr seines Geschenks zeigt, beginne ich unwillkürlich zu grinsen.

»Ich dachte mir, Mitch und du, ihr zockt ja andauernd irgendwelche Spiele auf der Konsole. Ich kenne mich damit nicht aus, aber der Mann im Spielegeschäft sagte, es wäre voll cool.«

Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wie das Konsolenspiel heißt, was ich ihm gekauft habe, aber das muss ich auch gar nicht, weil ich ihm ansehe, wie sehr er sich darüber freut. Also wird es wohl eine gute Idee gewesen sein, auf den Verkäufer zu hören.

»Es ist nicht nur cool, das ist total abgefahren!«, korrigiert Derek mich mit ehrlicher Freude. »Danke …« Aber den Moment hält nicht lang, denn dann scheint ihm etwas einzufallen. »Leider habe ich gar nichts für dich.«

»Schon okay«, winke ich ab und lächle. »Du könntest mir zeigen, wie man das Spiel spielt. Wie wäre es?«

Und das tut er. Ich bin zwar grauenhaft darin und schaffe es nicht, auch nur einen von unseren Feinden abzuschlachten, aber ich kann nicht behaupten, schon einmal an Weihnachten so viel Spaß gehabt zu haben.


Morgen geht es dann mit dem zweiten Teil weiter. 😉

Frohe Weihnachten alle miteinander!Neue Signatur

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s